Die Annahme, "lizenzfrei" bedeute "frei zu verwenden"
Eines der häufigsten Missverständnisse ist die Annahme, dass lizenzfreie Bilder frei von Kosten oder Einschränkungen seien. In Wirklichkeit bezieht sich „lizenzfrei“ lediglich auf das Zahlungsmodell: Sie zahlen einmal für die Nutzungslizenz und können das Bild anschließend mehrfach verwenden, ohne zusätzliche Gebühren. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Bild beliebig eingesetzt werden darf. In Großbritannien und der EU sind auch lizenzfreie Inhalte an klare Vorgaben geknüpft - etwa zu Kontext, Verwendungsdauer und Medienformat. Kommerzielle Nutzung, Veränderungen oder Weitergabe sind oft eingeschränkt. Verstöße gegen diese Vorgaben können zu rechtlichen Schritten oder zur Lizenzkündigung führen.
Ignorieren des Lizenzumfangs: Druck, digital oder global
Viele Bildlizenzen spezifizieren eindeutig, auf welchem Medium, in welcher Region und über welchen Zeitraum sie gelten. Verlage übersehen oft den Unterschied zwischen Lizenzen für den Druck und solche für digitale oder internationale Nutzung. Wenn etwa eine Lizenz nur für eine britische Druckausgabe gilt, das Bild jedoch auch in einem internationalen Onlineartikel oder in sozialen Medien auftaucht, können zusätzliche Kosten oder Verstöße entstehen. Verlage sollten sicherstellen, dass ihre Lizenz alle beabsichtigten Kanäle und Regionen abdeckt.

Das Vergessen von Freigaben für erkennbare Personen oder Orte einzuholen
Auch bei vollständig lizenziertem Bildmaterial kann es erforderlich sein, eine Modellfreigabe (für erkennbare Personen) oder eine Eigentumsfreigabe (für Gebäude, Kunstwerke oder Innenräume) einzuholen. Das gilt besonders für kommerzielle Einsätze wie Werbung, Verpackungen oder Werbematerial. Ohne diese Freigaben drohen Klagen wegen Datenschutzverletzung, Verleumdung oder Täuschung. Auch Museen, Nachlässe oder lebende Künstler können die Nutzung bestimmter Bilder einschränken. Vor Veröffentlichung sollte stets sichergestellt sein, dass alle erforderlichen Genehmigungen vorliegen.
Verwendung von Bildern von „kostenlosen“ Webseiten ohne Prüfung der Bedingungen
Webseiten, die „kostenlose“ Bilder anbieten, haben oft Einschränkungen, wie etwa Nutzung nur zu nicht-kommerziellen Zwecken, Pflicht zur Namensnennung oder ein Verbot der Weiterverbreitung. Zudem kann nicht garantiert werden, dass alle Bilder auf diesen Plattformen rechtmäßig hochgeladen wurden. In der EU und im Vereinigten Königreich kann der Herausgeber haftbar gemacht werden, selbst wenn er ein Bild von einer Drittplattform bezogen hat. Gerichte akzeptieren in der Regel keine Ausrede wie „Ich habe es online gefunden“. Es empfiehlt sich, die Lizenzbedingungen immer sorgfältig zu prüfen und Bilder von verlässlichen Quellen zu beziehen, die die Rechteinhaberschaft prüfen.

Fehlinterpretation von Creative-Commons-Lizenzen
Creative Commons (CC)-Lizenzen sind nützlich, aber keine generelle Freigabe. Jede Version (z. B. CC-BY, CC-BY-NC, CC-BY-SA) bringt eigene Anforderungen an Namensnennung, Bearbeitung und kommerzielle Nutzung mit sich. Fehlinterpretationen und falscher Einsatz dieser Lizenzen nehmen zu. Rechteinhaber können bei Verstößen rechtlich gegen die Nutzung vorgehen. Verlage sollten die Unterschiede zwischen den Lizenztypen genau kennen und bei Bedarf die Quelle korrekt angeben.
Übersicht der gängigen Creative Commons-Lizenzen:
- CC-BY (Namensnennung): Nutzung, Bearbeitung und Verbreitung, auch kommerziell, mit Urhebernennung.
- CC-BY-SA (Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen): Wie CC-BY, aber abgeleitete Werke müssen unter derselben Lizenz stehen.
- CC-BY-ND (Namensnennung - keine Bearbeitungen): Kommerzielle Nutzung erlaubt, aber keine Veränderungen; Urhebernennung erforderlich.
- CC-BY-NC (Namensnennung - nicht-kommerziell): Nutzung und Bearbeitung erlaubt, aber nur nicht-kommerziell und mit Urhebernennung.
- CC-BY-NC-SA (Namensnennung - nicht-kommerziell - gleiche Bedingungen): Nicht-kommerzielle Nutzung und Änderungen erlaubt, aber nur unter identischer Lizenz.
- CC-BY-NC-ND (Namensnennung - nicht-kommerziell - keine Bearbeitungen): Nur Weitergabe in Originalform und nicht-kommerziell mit Namensnennung erlaubt.
Es ist ratsam, stets die Original-Lizenz auf der Quelle zu prüfen. Im Zweifelsfall sollte rechtlicher Rat eingeholt oder auf alternative Bilder aus vertrauenswürdigen Archiven zurückgegriffen werden.
Fehlende Dokumentation oder Lizenznachweise
Selbst wenn alle Lizenzen ordnungsgemäß erworben wurden, kann mangelnde Dokumentation später Probleme verursachen, insbesondere, wenn Inhalte Jahre später erneut veröffentlicht oder bearbeitet werden. Ohne Belege kann ein Verlag nicht nachweisen, dass er zur Nutzung eines Bildes berechtigt war, etwa wenn der Fotograf oder die Agentur nicht mehr existiert. Best Practices beinhalten das Aufbewahren digitaler Kopien von Lizenzverträgen, Genehmigungen, Nutzungsvereinbarungen und relevanter Korrespondenz. Eine geordnete Lizenz- und Freigabedokumentation schützt Ihr Unternehmen und erhöht die Rechtssicherheit bei künftigen Veröffentlichungen.
Mehr erfahren?
→ Verständnis der Bildlizenzen für Bücher, Werbung und Bildung
→ Leitfaden zur fairen Nutzung für Redakteure und Verleger
→ Was ist Copyright und wann läuft es ab?